Armbrust Simpel

Warum will ich eine solche Armbrust bauen


Es gibt im Moment meines Wissens nur Armbrüste zu kaufen, die duch einen Gummizug den Bolzen verschiessen. Diese Armbrüste sind ziemlich teuer und schiessen nicht besonders weit.
Die selbstgebauten verwenden meist Federstahl für den Wurfarm und sind nicht viel besser.
Die hier gebaute Armbrust hat eine Reichweite, die einem schwachen Bogen nahe kommt, ich würde je nach Bolzen 10 bis 15 Meter schätzen. Glasfasterstäbe als Wurfarme beschleunigen den Bolze ausgesprochen gleichmässig, was eine recht ruhige Flugbahn der Bolzen gewährleistet (wenn die Bolzen vernünftig gebaut sind, heisst das).
Materialliste

  • 2 Holzbretter, Birkensperrholz 150x500x12 mm
  • 1 Holzbrett, Birkensperrholz 150x500x6 mm
  • 2 Glasfaserstäbe 60 cm, Durchmesser 6 mm
  • 1 Stück Leder, weich, gross genug um die beiden Stäbe zu umhüllen
  • 1 Stück Stahlbech (kein Feder oder Edelstahl) ca. 2x10 cm, 1.5 mm dick
  • Holzbeize
  • 1 Aluminiumstreifen, 2x20 cm, etwa 1-2 mm dick

Werkzeugliste

  • Stichsäge
  • Laubsäge
  • Raspel, halbrund
  • Standbohrmaschine oder Akkuschrauber mit Dübelhilfe oder übermenschlichem Augenmaß
  • Schleifpaper
  • 4 Schraubzwingen
  • Blechschere
  • Bandschleifer
  • Papageienzange
  • Schraubstock

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Als erstes überlegt man sich eine Form; eine Bolzenlänge von etwa 30 cm hat sich als recht praktisch erwiesen. Die Bolzenlänge geht vom Anfang der Armbrust bis zur Kerbe, in der nachher die Sehe liegen wird.

Ich habe die Form auf Sperrholz übertragen, um mehrere exakt gleiche Armbrüste machen zu können. Die gewählte Form wird auf eines der dicken Sperrholzstücke übertragen. Dabei wird die Form an die Oberkante des Brettes angelegt, um die besonders gerade Strecke, die im Baumarkt gesägt worden ist, später als Bolzenführung nutzen zu können.

Ein Wort zu den dickeren Sperrholzbrettern:

Unbedingt im Baumarkt zusägen lassen; so glatt bekommt man die Kante, auf der nachher der Bolzen liegen wird, kaum hin.

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Mein besonderer Schatz: Eine Standbohrmaschine für 40 von Aldi; die gibt es allerdings zu vergleichbarem Preis auch in jedem Baumarkt.

Das ist eine Ausgabe, die sich wirklich lohnt. Insbesondere bei den Löchern für die Bögen kann man sich schlecht eine schiefe Bohrung leisten.

Wer sie einmal zur Verfügung hatte, wird sie nie wieder missen wollen.
Alternativ kann man sich auch einen Bohrständer für seine Bohrmaschine kaufen; der kostet allerdings genausoviel wie eine echte Standbohrmaschine.

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Als nächstes werden die beiden dicken Sperrholzplatten passend übereinandergelegt und an den Ecken für festen Sitz mit 8 mm Dübeln verbunden (keinen Leim verwenden...).
Der Halbkreis unten rechts wird der "Aufbau", auf dem die Haltefeder für den Bolzen nachher befestigt wird. Daher geht da auch jetzt schon ein Dübel durch, das macht die exakte Montage nachher einfacher.

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Die Dübel werden plan zum Holz abgesägt; sonst bleibt man nachher mit der Sticksäge dran hängen.

Gut zu sehen nochmal der künftige Aufbau.

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Jetzt schnappen wir uns die Stichsäge und sägen das Ganze aus.

Wenn das Sägeblatt anfängt, sich beim Sägen zur Seite zu biegen, ist es in aller Regel stumpf und sollte (am besten vorher!) ersetzt werden. Eine tolle Methode, sich das Sperrholz zu versauen.

Auch gut zu sehen sind die Löcher, die man an jeder Ecke des Sägeverlaufs anbringen sollte. Der Durchmesser sollte mindestens der Breite des Sägeblattes entsprechen.

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Juhu, fertig mit Sägen. Den Aufbau-Gnubbel ist auch schon fertig.

Beim Sägen von dem Ding bitte auf die Finger aufpassen.

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Und weils so schön war, übertragen wir das Muster nochmal auf das dünnere Sperrholz.
Achtung: Diesmal nicht an der Oberkante des Brettes anfangen, sondern Platz für den Aufbau lassen. Es darf ruhig ein paar Millimeter grösser sein als das Original, das wird später abgeschliffen.

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Jetzt vervollständigen wir die Zeichnung um Aufbau und das Stück, was nachher der Abzug der Armbrust sein wird. Die Rundung rechts mache ich immer mit einem 50 Centstück als Schablone.
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Das Ganze in zugesägtem Zustand.
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Jetzt wir mir einer Laubsäge (wegen der geringen Schnittdicke) der Abzug ausgesägt und alle Teile innen abgeschliffen.

Danach wird der Abzug so aufgelegt, wie er in gespanntem Zustand stehen würde (die Kerbe für die Sehne ist nicht mehr verdeckt), angezeichntet und abgesägt.

Der Teil, der nachher im Schaft der Armbrust liegt, wird 2-4 Millimeter abgesägt, abgeschliffen oder abgehobelt. Er muss nicht sonderlich glatt sein. Hauptsache, ein 8mm Dübelhlz liegt nachher nur auf den beiden Innenkanten der dickeren Sperrhölzer auf.

Auch kann man schonmal das Loch in den Abzug bohren (2,5 mm dick).

Wichtig: Man sollte (aus Wartungs- und Baugründen) den Ausschnitt für das Abzugstück so wählen, dass man es in zusammengebauten Zustand aus- und Einbauen kann.

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Jetzt werden die Einzelteile des Mittelstückes passend auf eines der Seitenstücke gelegt und das Loch für den Stift, der nachher den Abzug halten wird, gebohrt.

Den Abzug kann man jetzt erstmal weglegen und die beiden Stücke nacheinander auf das Seitenteil leimen. Schraubzwingen nicht vergessen.

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Danach wird das Seitenteil aufgeleimt. Daneben sieht man noch den Abzug und den Matallstift,der ihn halten wird. Dieser lässt sich optimal aus einem Drahtkleiderbügel schneiden.
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Und das Ganze nochmal von oben.
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Jetzt werden nacheinander die beiden Teile des Aufbaus angeleimt. Wenn der erste Teil dran ist, kann man das Dübelloch in den Mittelteil bohren (von aussen natürlich), so dass sich ein dübel als "Führungsschiene" für das zweite Aufbauteil verwenden lässt.
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Und fertig. Jetzt kommt der mühsamste Teil der Armbrust: Das Ausformen des Armbrustkörpers.
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Damit man sich in der Abraspeltiefe nicht vertut, zeichnet man sich am besten Höhenlinien aufs Holt und raspelt es erstmal stellenweise weg.
Die übriggebliebenen Stege kann man danach a) zum Teil wegschneiden, was einem die Raspelei erspart und b einfacher und präziser entfernen.

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Mühsames Geschäft, aber es geht voran. In das Loch in der linken Seite kommt der Abzug.
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Fast fertig ;)
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So. Jetzt ist alles grob aufs Mass geraspelt, geschnitten und gesägt. Gut zu sehen ist hier das Führungsschienendübelloch im Aufbau.
Die Armbrust wird jetzt zuerst glattgefeilt, dann mit immer feineren Körnungen glattgeschliffen, bis man sie so glatt hat, wie man will.

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Und so sieht euer Fussboden aus, wenn ihr das wie ich in eurem Zimmer macht...

Macht sau viel Arbeit, die Holzteile aus dem Teppich wieder rauszubekommen.

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Fertig mit Schleifen.
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Naja, ein wenig Schleifen könnte sie noch vertragen...
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Jetzt bohren wir erstmal ein 8-Milimeter-Loch in den Schaft. Daran wird nachher der Prallschutz dür die Sehe befestigt. Das ganze hat folgenden Hintergrund:

Ohne Prallschutz wird die Sehe über das Ende des Schaftes hinaus schwingen; das dreht die Glasfaserstäbe des Bogens und zerreist sie mit etwas Pech. Ausserdem sieht's dämlichaus, wenn sich der Bogen umstülpt wie ein Regenschirm im Sturm.

Die grob trapezförmigen Holzstücke sind aus dem 12 mm Sperrholz und geben der Befiederung der Bolzen mehr Platz, um an dem Prallschutz vorbeizukommen. Sonst fliegt der Bolzen weiter und die Federn bleiben hier...

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Eigentlich hätte ich die Löcher für die Bogenstäbe bohren sollen, bevor ich die Armbrust abgeschliffen hatte...

Achtung: Die Löcher sind nicht exakt parallel zur Vorderkante der Armbrust. Da die Sehne auf der Oberkante liegt, sind die Löcher ein wenig schräg angeordnet, um die Sehne besser liegen zu lassen. Man sieht es besser, wenn eine Sehne befestigt ist ;)

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Jetzt kommt der fieseste Part der Armbrust: Die Halterung für die Sehnen, gefertigt aus 1,5 mm dickem Stahl.

Den bekommt man am besten als Abfallstücke in einer Schlosserei oder evtl. auf einem Schrottplatz oder bei einer Abfallverwertung.

Wenn einer eine bessere Idee für die Halterungen hat, immer her damit. Ich mag die Fertigung der Halterungen nicht besonders und wäre froh über eine Alternative.

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Für den Fall, dass sich einer bei der Materialliste gefragt hat, was eine Papageienzange ist: Das ist eine.

Mit selbiger kann man die U-Biegung im Metall recht gut hinbekommen.
Der Metallstreifen wird in passender Breite (2x Durchmesser der Bogenstäbe + 6 mm) zugeschnitten; die Länge beträgt etwa 7 cm. Am besten nimmt man einen längeren Streifen, fertigt die Biegung und schneidet ihn dann passend zu.

Nachdem der Streifen geschnitten ist, schleift man ihn an den Kanten und an den Ecken sorgfältig rund; ansonsten sägt man sich beim Schiessen die Sehne durch. Und das kann kann tödlich sein, wenn man sie gerade braucht....

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Wenn man das erste U fertig hat, legt man ein Dübelholz als Formhalter in das U und spannt das Konstrukt in einen Schraubstock.

Natürlich gibt es auch andere Methoden, den Sehnenhalter zu biegen; aber so geht's recht gut.

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Danach kann man das Metall ohne das U zu beschädigen mit einer Zange vorbiegen.
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Der Einsatz eines Hammers vervollständigt den rechten Winkel.
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So, fertig.

Die Bogenstäbe habe ich vorgebohrt, einen Nagel durchgesteckt und somit die Löcher auf der Sehnenhalterung angerissen (siehe rote Kreise). Die Punkte werden dann nachgebohrt.

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Jetzt schneidet man sich etwa 1 cm breite Metallstreifen und bohrt etwa 6 mm grosse Löcher duch Halterung und Streifen. Die Streifen werden dann an die Halterungen genietet.

Alternativ kann man die Metallstreifen auch durch eine Draht- oder Schnurwicklung ersetzen.

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Die Metallstreifen werden umgebogen (ein Schraubstock hilft).
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Die Bogenstäbe werden durch einen 6er Dübel als Abstandshalter auseinandergehalten (sieht schöner aus so), mit Draht an den Abstandhalter gebunden und die Flügel der Halter nach innen gebogen.
Das hält so ziemlich bombenfest.

Achtung: Zuerst nur auf einer Seite!

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Jetzt kann man die Bogenstäbe duchstecken (im Zweifelsfall mit einer Rundfeile die Löcher nachbearbeiten) und die andere Seite der Halterungen befestigen. Einkleben lassen sich die Stäbe recht gut mit Pattex.
Ein dünnes (1 mm) Loch an der Stirnseite der Armbrust, durch Holz und einen der Stäbe, durch das ein dünner Nagel geschlagen wird, verhindert ein Verrutschen der Stäbe zuverlässig.

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Mit Sehne sieht das Ganze schon echt wie eine Armbrust aus.
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Soweit sind wir nun.
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Jetzt wird der Prallschutz für die Sehne angeleimt. Wichtig: Erst das Dübelholz duchstecken, dann Leim angeben und dann zusammenpressen.

Eigentlich sollte es ein netter Drachenkopf werden, aber ich hatte die Bogenstäbe vergessen; die wären duch die Augen gegangen :(

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Jetzt können wir uns an die Sehne machen. Ich verwende ein geflochtenes Nylonseil, 6 mm dick.

Das Auge wird ersmal mit einer Stecknadel fixiert.

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Danach wird das ganze in Schlangenlinien duchgenäht
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Und umwickelt. Sternchenzwirn ist dafür gut geeignet; ich verwende in den Bildern einen Leinenzwirn zum Ledernähen.
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Fast fertig. Jetzt wird der Faden noch vernäht und verknotet.
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Fertige Sehne. Naja, die andere Seite fehlt noch.
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Ist schon fast eine Armbrust.
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Beim Prallschutz sollte man dringend darauf achten, dass der Bogen sich noch frei bewegen kann. Auch in gespanntem Zustand.
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Jetzt wird die Armbrust gebeizt. Hier habe ich den Fehler gemacht, einen Farbton namens "Teak" zu wählen. Scheusslich, aber zu spät.

Entgegen meiner Erwartung wurde der Farbton auch beim Trocknen nicht besser.

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Zum Trocknen aufgehängt.

Wichtig: Zwischen den einzelnen Beizeschichten (ich habe zwei aufgetragen) ordentlich trocknen lassen.

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Fertig mit Beizen.

Das Abzugstück muss man eventuell noch ein wenig nachschleifen, damit es sich locker bewegen kann.

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Das ist das Leder, das wir zum Umnähen und Verbergen der hässlichen Glasfasterstäbe nehmen werden. Es eignet sich besonders weiches, dehnbares Leder, ähnlich Fensterleder.

Glücklicherweise sit es acuh das billigste Resteleder ;)

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Alternativ kann man auch die Stäbe mit doppelseitigem Klebeband bekleben und mit einem dicken Baumwollfaden umwickeln; das ist reine Geschmackssache.

Auch der Prallschutz lässt sich wesentlich einfacher gestalten, wie man sieht.

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Damit man das Leder nicht die Ganze Zeit halten muss, wird es mit doppelseitigem Klebeband fixiert.
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Das Leder wird um die Bögen geklebt und passend abgeschnitten. Selbstverständlich sollte noch genut Leder zum Überdecken des Staben und zum nähen übrigbleiben.

Achtung: Die Naht (bzw. jetzt noch die Öffnung des Leders) sollte sich an der Unterseite der Armbrust befinden.

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Das Leder wird (am besten mit einem Überwendlingsstich) zusammengenäht.
Zum Überwendlingsstich habe ich leider keine Bilder; wenn einer Schwierigkeiten hat, danach zu suchen, werde ich ihn gerne versuchen zu malen.

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Fertig umgenäht. Sieht doch schon schick aus..
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Das äussere Teil der Sehnenhalterung habe ich mit einem einzelnen Lederstreifen verkleidet.
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Da ist sie in ihrer schon fast einsatzbereiten Schönheit. Leider ist sie ein wenig orange...
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Damit der Bolzen auch bleibt, wo er ist, sollte man eine Halterung verwenden; das macht man am Besten mit einer Metalllasche, die den Bolten auf die Führungsschiene der Armbrust drückt.

Den passenden Aluminium-Streifen kann man in jedem Baumarkt kaufen.

Er wird den Ecken rundgefeilt und mit zwei Löchern versehen.

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Mit dem ersten Loch befestigt man den Streifen am Aufbau und fertigt dann die Biegung für das zweite Loch.
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Dann biegt man ihn in eine Form, in der er am Aufbau anliegt, aber dennoch auf die Führungsschiene drückt.

Der Schwung vorne (da wo keine Löcher sind) dient dazu, den Bolzen einfach unter die Halterung schieben zu können.

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Wenn die Halterung montiert ist, sollte sie den Bolzen ausreichend fest an die Armbrust drücken, dass man sie auch nach unten neigen kann, ohne dass der Bolzen runterfällt.
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Und da ist sie, in all ihrer einsatzbereiten Schönheit. Es hat etwa 4 Stunden gedauert, sie zu bauen (Trockenzeiten nicht eingerechnet), aber es war die Mühe wert.
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